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Sternstunden - Die abenteuerliche Geschichte von der Entdeckung und Vermessung der Welt

 

INHALTSVERZEICHNIS

Die ältesten Sternkarten und Weltbilder
Der babylonische Tierkreis - Der babylonische Kalender -Die Himmelsscheibe von Nebra - Sonnenwagen und Goldhüte - Weltenberg und Weltenbaum - Der Nabel der Welt - Das Weltbild Homers      

Die ersten „naturwissenschaftlichen“ Weltbilder
Die erste berechnete Voraussage einer Sonnenfinsternis - Abschied von der Scheibenwelt - Die „Weltkarte“ des Hekateios - Die Erde ist eine Kugel - Die Vier-Elemente-Lehre - Milchstraße und Atomlehre

Welt und Weltall in der Zeit Alexanders des Großen
Die erste Entdeckungsreise - Aristoteles - Peri Ouranou-Über die Himmel - Der Eroberungszug Alexanders des Großen - Bematisten und Ephemeriden - Die Bibliothek von Alexandria - Euklid und die mathematische Geometrie - Die Berechnung des Erdumfangs - Aristarchs heliozentrisches Weltbild- Hipparch, der bedeutendste Astronom der Antike - Terra australis kommt auf die Weltkarte - Die Geografie von Strabon - Ferro-Meridian - Ptolemäus und das geozentrische Weltbild

Alle Wege führen nach Rom
Die Peutingersche Tafel - Römerstraßen und Meilensteine - Cardo und Decumanus

Indien und China
Die indisch-arabischen Zahlen - Aryabhata: Die Erde und die Null -Brahmagupta: Der Vater der Null - Der Sohn des Himmels - Der chinesische Ptolemäus I - Der chinesische Ptolemäus II            

Geografie und Astronomie im Orient
Wissenstransfer in den Osten - Das Haus der Weisheit in Bagdad - „Algorithmus“ und Algebra - Arabische Rechenkunst - Al-Biruni und Avicenna - Kairo und Córdoba

Mappae mundi – Weltkarten des Mittelalters
T und O - Die Enzyklopädie des Isidor von Sevilla - Vor Christi Geburt-nach Christi Geburt - Weltchroniken - Die Higden-Chronik  - Al-Idrisi-Weltkarte-Tabula Rogeriana - Die Zahlen des Fibonacci - Die Ebstorfer Weltkarte - Die Hereford-Karte - Katalanischer Atlas      

Zeit des Umbruchs – Die Weltbilder des Spätmittelalters
Der Alexanderroman - Das Weltbild der Göttlichen Komödie - Toledaner Tafeln und Alfonsinische Tafeln - Portolankarten - Der Kompass - Marco Polo - Astronomische Uhren

Weltbilder unmittelbar vor Kolumbus
Die Fra-Mauro-Karte - Der Behaim-Globus - Die Begründung der Trigonometrie - Erhard Etzlaubs Romweg-Karte - Die Schedelsche Weltchronik - Dürers Melencolia I

Die Seewege nach Indien
Die Suche nach dem „vierdten Erdteil“ - Da Ming Hun Yi Tu - Die Schatzschiffe des Cheng Ho - Der Seeweg der „Guten Hoffnung“  - Kolumbus: der erste Weltenentdecker - Der Vertrag von Tordesillas

Wie Amerika auf die Landkarte kam
Erste Karten von der Neuen Welt  - Die Cantino-Karte - Amerigo Vespucci -Der Namensgeber für Amerika - Waldseemüllerkarte: die Taufurkunde Amerikas - Vasco da Gama und der Seeweg nach Indien

Die Umwälzung des Weltbildes
Nikolaus Kopernikus - Das heliozentrische Modell des Sonnensystems

Konquistadoren und Weltumsegler
Die Suche nach Eldorado  - Mexiko - Die ersten Weltumsegelungen  - Die Entdeckung und Eroberung der Anden - Die Entdeckung des Mississippi - Relaciones Geográficas - Matteo Ricci in China

Große Entdeckernamen auf der Landkarte I
Die Suche nach der Nordwestpassage I - John Cabot entdeckt das nördliche Amerika - Verrazano Bridge - Nach Kanada - Davis-Straße - Barentssee - Hudson Bay - Baffin Bay            

Die Karten- und Weltbilder vor dem Zeitalter der Vermessungen
Das goldene Zeitalter der Kartografie - Sebastian Münsters Cosmographia - Die „Goldschätze“ von Timbuktu - Die Bairischen Landtafeln - Der erste Atlas - Die Mercator-Projektion - Atlas Blaeu - Die Stadtansichten von Matthäus Merian - Orbis pictus - Atlanten für den Hausgebrauch             

Die neuen Welten am Himmel
Galileo Galilei - Tycho Brahe - Johannes Kepler - Orion-und Andromeda-Nebel - „Und sie bewegt sich doch“

Große Entdeckernamen auf der Landkarte II
Der Pazifik - Tasmanien - Beringstraße und die Entdeckung Alaskas - Robinson-Insel           

Die vermessene Welt
Triangulation - Die Vermessung Frankreichs - Landvermessungen in Europa - Die erste Vermessung des Weltraums         

Der Längengrad
Der Meridianbogen - Die Erde: Ei oder Apfel? - Die Lösung des Längengradproblems - Dixieland

Neue Sterne am Himmel
Saturnringe und Lichtwellen - Der Halleysche Komet - Lichtgeschwindigkeit - Der Messier-Katalog - Ein neuer Planet im Sonnensystem - Jenseits der Milchstraße

Große Entdeckernamen auf der Landkarte III
Die Insel Bougainville und die Wunderblumen - Venustransit-James Cooks erste Reise - Terra australis–James Cooks zweite Reise - Georg Forsters Reise um die Welt - Hawaii-Cooks letzte Entdeckung und Verhängnis - George Vancouver an der amerikanischen Westküste - Australien                       

Die neue Naturwissenschaft
Makrokosmos-Mikrokosmos - Wissenschaftliche Akademien - Phlogiston -Neptunismus und Vulkanismus - Montgolfier: Die Welt von oben - Die neue Chemie - Elektrische Zuckungen

Die weißen Flecken
Durch die Wüste I: Mungo Park - Durch die Wüste II: Heinrich Barth - Alexander von Humboldt - Die Expedition von Lewis und Clark - Hudson’s Bay Company - Winnetou - Der „Entdecker“ der Rocky Mountains - Vorstöße in die Antarktis - Der Mount Everest        

In die Tiefe     
Eiszeit - Der Kreislauf der Gesteine - Die Strata-Karte und die Leitfossilien - Physikalische, geologische, meteorologische, ethnologische, klimatische Atlanten - Die Begradigung des Rheins - Die Entdeckung „Trojas“ - Zwanzigtausend Meilen unter dem Meer       

Pioniere des 19. Jahrhunderts
HMS Beagle - Die Katastrophe der Franklin-Expedition - Homestead Act - Wettlauf zum Matterhorn - Die Quellen des Nils - Dr. Livingstone, I presume - Durch die Wüste III: Gustav Nachtigal - Port Said am Sueskanal                      

Karten und Atlanten des 19. Jahrhunderts
Dufour-Karte und Stieler-Atlas - New Railroad and County Map of the United States - Der Nullmeridian - Zeitzonen für die ganze Welt

Der Wettlauf zu den Polen
Fridtjof Nansens Fram-Expedition zum Nordpol - Der Wettlauf zum Südpol               

Sternenkunde im 19. Jahrhundert
Der L’Aigle-Meteorit - Neptun - Fraunhofer-Fernrohre - Bonner Durchmusterung - Die „Himmelspolizey“: Systematische Suche nach den Asteroiden

Die physikalische Weltbild-Revolution
E=mc²-Atom und Universum - Die neue Physik des 20. Jahrhunderts

Die dynamische Welt
Alles fließt - Kontinentalverschiebung - Die Vermessung des Meeresbodens

Karten des 20. Jahrhunderts
Der Londoner U-Bahn-Plan - Straßenkarten, Straßenatlanten - Arno Peters’ Bild der Welt - „Nach zweihundert Metern links abbiegen“

Die Expansion des Weltraums
Das Hertzsprung-Russell-Diagramm  - Edwin Hubble: Das Weltall expandiert - Das Echo des Urknalls - Schwarzes Loch - Signale von Außerirdischen?    

Die Eroberung des Weltraums
Die Rakete zu den Planetenräumen - Der Wettlauf zum Mond - Der Blaue Planet und die Mondlandungen - Mission Mars

In die Tiefe des Weltalls
Jenseits des Sonnensystems - Hubble Ultra Deep Field - Gliese 581c - Die Vermessung der Milchstraße in 3D     

Ausblick
Terra incognita - Selbstvermessung-Quantified Self - Das Wissen der Welt kartografieren

 

Textauszüge aus Sternstunden

Die Berechnung des Erdumfangs     
Eratosthenes (um 275-195 v. Chr.) leitete die Bibliothek von Alexandria fünfzig Jahre lang und war der einzige Naturwissenschaftler auf diesem Posten. Er stand mit Archimedes, der in der griechischen Stadt Syrakus auf Sizilien lebte, in Briefkontakt.

Mit Eratosthenes beginnt eine wirkliche Wissenschaft der Geografie insofern, als er aufgrund genauer Messungen der Schattenlängen auf Sonnenuhren in Alexandria und im weit entfernten Syene (heute: Assuan) zur Zeit der Sommersonnenwende als Erster den Erdumfang berechnete. Soweit diese Rechnung heute nachvollziehbar ist, bestimmte er den Erdumfang mit fast 42.000 Kilometern recht genau. (Der tatsächliche Wert beträgt 40.075 Kilometer am Äquator.) Diese Erdumfangsbestimmung zählt man zu den größten wissenschaftlichen Leistungen der Antike. Das war - um 240 v. Chr. - schon eine Art Beweis für die Kugelgestalt der Erde. Bereits Aristoteles hatte sich vergeblich damit beschäftigt.

Eratosthenes kam wohl auch erstmals auf den Gedanken, die Breiten- und Längengrade als mathematische Methode zur Bestimmung eines konkreten Ortes zu nutzen.

Die Bairischen Landtafeln          
Bisher hatten Karten keinen Maßstab. Ansatzweise maßstabsgerechte Karten kamen nun verstärkt im 16. Jahrhundert auf. Philipp Apians Atlas von Bayern (1568), auch bekannt als „Bairische Landtafeln“, spiegelt den damals fortschrittlichsten Stand der Kartografie.

Die Landtafeln, 24 Holzschnittdrucke, beruhen auf einer fünf mal fünf Meter großen Karte von Bayern, die Apian im Auftrag des bayerischen Herzogs Albrechts V. erstellte, indem er während sieben Jahren im Sommer das Land mit Wegmesser und Kompass bereiste und auf diese Weise erstmals ein größeres Land systematisch vermaß - wenn auch noch nicht so mathematisch exakt wie mittels Triangulation.

Die Karte und die darauf basierenden Landtafeln sind genordet, was damals, vor allem in Süddeutschland, noch keineswegs üblich war. Für Städte und Dörfer gibt es nur noch wiederkehrende Symbolbilder statt individueller Stadtansichten, auch ein Merkmal der Rationalisierung des Kartenbildes. (Für Dörfer genügt eine Kirche, für eine Stadt ein Kirchturm mit einer kleinen Häusergruppe.) Apians Bayern-Karte ist ein frühes Beispiel dafür, wie die subjektiven oder religiös-symbolischen (Welt)Landschaften gegenüber der maßstabsgetreuen Wiedergabe der physischen Welt in den Hintergrund treten. Vor allem die Verläufe der Gewässer sind sehr genau verzeichnet. Für den Druck der Landtafeln wurde der Maßstab deutlich verkleinert. Deren Genauigkeit war bis ins 19. Jahrhundert unübertroffen.

Für die Vermessung bediente sich Apian neben Kompass und Quadrant auch des Jakobsstabs zur Winkelmessung und damit zur Entfernungsbestimmung. Der von sächsischen Eltern in Ingolstadt geborene Philipp Bienewitz/Bennewitz (lateinisch: Apian) war schon mit achtzehn Jahren Student in Frankreich und mit einundzwanzig Jahren Professor in Ingolstadt, wo er neben dem Lehrstuhl auch die Kartendruckerei seines Vaters übernahm, der seinerseits bereits ein so geschätzter Gelehrter, Astronom und Kartograf war, dass er von Kaiser Karl V. in den Reichsritterstand erhoben wurde. So ehrte man damals bedeutende Kartografen.

Der L’Aigle-Meteorit
Am frühen Nachmittag des 26. April 1803 ging über der kleinen Ortschaft L’Aigle in der Normandie ein Meteoritenschauer nieder. Offensichtlich war ein größerer Meteorit zerplatzt, woraufhin an die dreitausend Meteorbrocken auf einer elliptischen Fläche von sechshundert Hektar um L’Aigle niederfielen. Napoleons Innenminister beauftragte den jungen, aber bereits renommierten Physiker Jean-Baptiste Biot mit einer Untersuchung der Meteoritenfunde vor Ort.

Biot wies in einem Gutachten zum L’Aigle-Meteoriten erstmals die außerirdische Herkunft von Meteoriten nach. Dies war von der Wissenschaft bis dahin ausdrücklich abgelehnt worden. Auch diese „wissenschaftliche“ Meinung ging noch auf Aristoteles zurück, der postuliert hatte, außer Planeten (einschließlich Sonne und Mond) und Fixsternen könne es „im Kosmos“ keine anderen Körper geben. Meteore und Kometen hatte Aristoteles als feurige Erscheinungen der Erdatmosphäre gedeutet. Zuletzt hatte immerhin noch Newton diese aristotelische Deutung bestätigt. Natürlich konnten sie noch nicht wissen, dass täglich ein Strom kleiner Partikel mit einem Gesamtgewicht von mehreren tausend Tonnen auf die Erde einprasselt, von denen der größte Teil in der Atmosphäre verdampft, ohne dass man es sieht.

Dem Biot-Gutachten war eine 1794 erschienene Abhandlung des deutschen Physikers und Astronomen Ernst Chladni vorausgegangen. Darin stellte er erstmals in der Neuzeit die (richtige) These auf, dass Meteore aus dem Weltraum kommen, und er behauptete sogar (im Prinzip ebenfalls richtig), dass sie aus der Entstehungszeit des Sonnensystems stammen und quasi Planetentrümmer oder Planetenbausteine sind. Das wurde von allen Geistesgrößen seiner Zeit, von Goethe bis Humboldt, auch von Lichtenberg, der Physiker war und selbst einen Meteor beobachtet hatte, vehement abgelehnt. Biots Recherchen in L’Aigle bestätigten dann jedoch Chladnis Theorie. Nach einer sorgfältigen Untersuchung der Gesteinsbrocken und ausgiebigen Zeugenbefragungen schloss Biot: Eine so plötzliche, heftige und gleichmäßige Verteilung von tausenden von „Steinen“ über eine annähernd zehn Kilometer lange Fläche konnte niemals eine irdische Ursache haben. Biots Erkenntnisse über den L’Aigle-Meteoriten gelten als Meilenstein der Meteoritenkunde und als Begründung einer eigenständigen Meteoritenforschung.

 


 

Einige Textauszüge aus Die Weltgeschichte der Pflanzen 

Unser tägliches Brot - Weizen 
Erstmals ab ca. 12 000 v. Chr. kamen Menschen in der Gegend von Südostanatolien/Nordsyrien und im Jordantal, im sogenannten Fruchtbaren Halbmond darauf, aus Wildgräsern immer größere Samenkörner zu schütteln und mit primitiven Geräten wie etwa Knochenhacken in die Böden einzuarbeiten. Da man davon ausgeht, dass in den uralten Wildbeutergemeinschaften die Männer für das Jagen, die Frauen für das Sammeln der Früchte, Knollen, Wurzeln zuständig waren, wurden der Anbau und die Bearbeitung der Gräser Frauensache. Durch menschliches Zutun erwies sich die Erde, die diese ausgesäten Pflanzensamen aufnahm, als noch fruchtbarer. Dies spiegelt sich in den religiösen Vorstellungen der Mutter-Erde-Gottheiten wider.

Die Frauen mögen auf den Gedanken gekommen sein, die größten Körner der Wildgräser aufzuheben und im nächsten Jahr für die Saat zu verwenden. Das war die nächste zündende Idee nach dem bloßen Einsammeln und Vermahlen in halb-sesshafter Lebensweise. So wurden aus Wildpflanzen gezüchtete Kulturpflanzen.

Die ersten Menschen, denen man diese Idee heute zuschreibt, gehörten zur Natufi-Kultur, benannt nach dem Fundplatz Wadi an-Natuf im Jordantal, heute auf palästinensischem Gebiet. Man vermutet in ihnen Zuwanderer aus Ostafrika. Wadi an-Natuf liegt im Zentrum eines „Kulturgebiets“, das sich vom Gaza-Streifen und Toten Meer im Süden bis an den Oberlauf des Euphrat im heutigen Syrien erstreckte.

Ein weiterer entscheidender Faktor bei der Kultivierung von Weizen und anderen Getreidearten war die Züchtung derjenigen Pflanzen, bei denen die ausgereiften Körner nicht gleich vom Stängel fielen, wenn sie geschnitten wurden. (Das wäre der natürliche Weg für die Vermehrung.) Man wollte die Garben aber mit nach Hause nehmen, um sie dort auszudreschen und nicht mehr die Körner mühsam einzeln vom Feld auflesen zu müssen.

Schwarz wie der Teufel, heiß wie die Hölle, süß wie die Liebe - Kaffee
Fest steht, dass die Araber den ersten Kaffeehandel und die erste Kaffeehauskultur organisierten. Hauptumschlagplatz war der jemenitische Hafen Mocha (heute: al-Mukha) am Roten Meer und von diesem Ortsnamen leitet sich die ältere Bezeichnung für das Getränk ab: Mokka. Von Mocha aus verbreitete sich der Kaffeegenuss ins nicht weit entfernte Mekka. Über dieses Pilgerzentrum lernte die gesamte islamische Welt den Kaffee kennen.

Das „Kaffee“-Wort selbst stammt von arabisch qahwa, was sowohl Kaffee als auch Wein bezeichnet – und zwar im Sinne von „berauschendes Getränk“. Die türkische Version des Wortes ist kahve. In europäischer Schreibweise (caffe, café, coffee, Kaffee) ging dieses Wort dann in die Weltsprachen ein - selbst ins Chinesische.

Kaffee wurde in den arabischen Ländern auch deshalb so schnell akzeptiert, weil er einen kleinen Kick - nicht wirklich einen Rausch - ohne Reue erlaubte. Wirkliche Rauschgetränke (Alkohol) hat der Prophet bekanntlich verboten.

Nach der Eroberung von Konstantinopel (1453) expandierte das türkische Osmanenreich rasch in den Nahen Osten. 1517 nahmen die Osmanen Kairo ein. Gerade zu dieser Zeit war das Kaffeetrinken dort bekannt geworden und auch die Türken wurden Kaffeetrinker und schufen daraus eine wirkliche Kultur. Das erste Kaffeehaus in Konstantinopel entstand 1554. „Türkischer Kaffee“ ist die Zubereitungsart, bei der das Kaffeepulver als Kaffeesatz in der Tasse bleibt.

Der erste Europäer, der Kaffee gesehen und probiert hat, war der deutsche Arzt und Forschungsreisende Rauwolf, der sich 1573-75 im Orient aufhielt. Er fand das Getränk „gar nahe wie Dinten so schwarz“, aber immerhin „des magens gar dienstlich“. Und durch die Türken lernten die Europäer dann bekanntlich im 17. Jahrhundert den Kaffeegenuss kennen. Die ersten Kaffeehäuser eröffneten um 1650 in Venedig, Oxford und London; Paris und Wien folgten um 1685. Das war in Wien kurz nach dem Ende der Türkenbelagerung (1683), weswegen sich dort die Legende vom Kaffee als Türkenbeute entspann. Bereits vorher, um 1670, waren in Bremen und Hamburg die ersten deutschen Kaffeehäuser nach englischem Vorbild gegründet worden.

Das Wiener Kaffeehaus spiegelt heute noch am besten, was die im 17. Jahrhundert völlig neuartige Kaffeehauskultur für Europa bedeutete. Die Kaffeehäuser entwickelten sich zu Treffpunkten, wo sich im Zeitalter der Frühaufklärung Menschen aus verschiedenen Gesellschaftsschichten regelmäßig trafen. Hier verkehrten der Adelige und der Bürger erstmals regelmäßig in geselliger Weise ohne Rücksicht auf die Standesgrenzen. Bis dahin gab es keinerlei derartige Institutionen. Der Adel traf sich nur an den Höfen und in den Salons, zu denen Bürgerliche im Allgemeinen keinen Zutritt hatten.

Pesthauch und Blütenduft - Lavendel
Bereits die antiken Kulturen im Orient und in Indien schätzten Duftstoffe. Die „Wohlgerüche Arabiens“, ein Shakespeare-Zitat aus „Macbeth“, waren in Europa sprichwörtlich. Sie haben eine lange Tradition weit zurück in die vorgeschichtliche Zeit. Räucherwerk, hauptsächlich aus Baumharzen, hatte eine enorme kultische und medizinische Bedeutung. Räucherwerk war eine Opfergabe an die Götter. Man schrieb ihm „reinigende“ und heilende Kräfte zu. Dieses frühe Pflanzenwissen wird durch die moderne Wissenschaft bestätigt: Die meisten ätherischen Öle in Pflanzen haben keimtötende Wirkung, gerade auch die in Räucherharzen. Im Räuchern liegt der ursprüngliche Sinngehalt des französischen Wortes par-fum (= durch Rauch; lat. perfumare = durchräuchern, durchduften).

Duftstoffe werden hauptsächlich aus Pflanzen gewonnen. Sie konnten zunächst nur durch Zerreiben von Kräutern oder das Anbrennen von Baumharzen wie dem Weihrauch, also durch die Hitze des Feuers gelöst werden. Die antiken Hochkulturen verstanden sich dann aber auch auf das handwerklich aufwendige Konservieren von Düften in Ölen und Salben. Die Sitte der Parfümierung haben Griechen und Römer von den alten Ägyptern übernommen, die sehr reinlich waren, viel Wert auf Waschungen legten und sich anschließend mit Ölen und Salben einrieben. Im Orient sowie in Indien und China, den zivilisatorisch hochentwickelten Gebieten nach dem Ende der Antike, wurde das Dufthandwerk weitergeführt und weiterentwickelt. Die Perser erfanden im Mittelalter um das Jahr 1000 die Wasserdampfdestillation, das fortan wichtigste Verfahren zur Extraktion ätherischer Öle bis heute.

Im Europa des Mittelalters legte man wohl weniger Wert auf Wohlgeruch.
Erst durch die Kreuzzüge kamen Europäer wieder mit Duftstoffen in Kontakt. Nur Lavendel blieb in Europa immer in Gebrauch.
Der Lavendel, ein Lippenblütler, ist an den Mittelmeerküsten heimisch.
Seine Hauptbedeutung liegt in der Verwendung des Lavendelöls als Duftstoff. Daher rührt auch der Name: Er kommt schlicht und einfach von lat. lavare = waschen, weil das Lavendel immer schon als Badezusatz verwendet wurde. Auch heute ist Lavendel einer der wichtigsten Grundstoffe für die Parfümindustrie. Lavendelöl war im ersten „Cöllnisch Wasser“ enthalten, ist Bestandteil von Chanel No. 5.

 

 

Aus dem Kapitel Die Steinzeitmenschen und ihre Kunst
Cro-Magnon
ca. 40 000 - 30 000 vC
Cro-Magnon gilt als früher Homo sapiens sapiens. Er lebte zunächst unter eiszeitlichen Bedingungen in arktischer Kälte in einer weitgehend baumlosen Tundra. Viel zu ernten gab es da nicht, deshalb jagte Cro-Magnon hauptsächlich Tiere. Wie man aus den berühmten Höhlenzeichnungen weiß, spielten dabei allerlei Jagdzauber, also quasi-religiöse Vorstellungen eine Rolle. Cro-Magnon war hervorragend an das Klima angepasst  und ein hervorragender Handwerker-Künstler, der Stein, Knochen, Elfenbein, Kleidung und Schmuck bearbeitete, mit Kochsteinen kochte und Nahrungsmittel konservierte. Pfeil und Bogen sowie Tierfallen sind wahrscheinlich Cro-Magnon-Erfindungen.

Aus dem Kapitel China - Wiedervereinigung unter den Sui
Shaolin
ca 520
Am Fuße des Berges Shaoshi in der chinesischen Provinz Henan in alten chinesischen Kernland am Huangho, liegt das ursprünglich taoistische Kloster Shaolin. Dorthin gelangte um 520 der aus Indien stammende Königssohn Bodhidarma (ca. 440-528), eine ebenso halb historische, halb legendäre Gestalt wie Benedikt von Nursia. Bodhidarma gilt als Begründer des Zen-Buddhismus. Hauptziel des Zen ist die innere Selbstbefreiung, die Abstinenz von allen äußerlichen Ablenkungen. In China verschmolz diese geistige Übung mit taoistischen Traditionen. Bodhidarma war auch in der höfischen Kampfkunst der indischen Brahmanen ausgebildet, die im Shaolin-Kloster weiterentwickelt wurde. Der Zen-Buddhismus wurde die wesentliche geistige Grundlage der mittelalterlich-ritterlichen Samurai-Kultur in Japan bis hin zur Tee-Zeremonie, No-Theater und Ikebana.

Aus dem Kapitel Das Ende der Sklaverei
Amerikanischer Bürgerkrieg
1861-1865
Um der Einheit der Nation willen musste Lincoln den Amerikanischen Bürgerkrieg (1861-1865) führen, dessen Kernkonflikt die Sklaverei war. Der Sezessionskrieg war ein erbittert geführtes Ringen, das sich wegen der Unfähigkeit der Nordstaatenarmee, ihre militärische Überlegenheit effizient einzusetzen, in die Länge zog. Die Wende kam 1863 durch die Niederlagen der Konföderierten bei Gettysburg und Vicksburg. Teil der Kriegführung war eine Militärpolitik der verbrannten Erde, die den Süden zerstört zurückließ. Über 600 000 amerikanische Soldaten fielen. Der Nachwelt wird die Erinnerung daran in zahlreichen Werken der Literatur und der Filmkunst wie Vom Winde verweht wachgehalten.
Der 13. Verfassungszusatz von 1865 schaffte die Sklaverei ab. Lincoln wurde kurz nach seiner Wiederwahl von einem Südstaaten-Fanatiker ermordet.

Aus dem Kapitel Der Weg zur Wende
KSZE
1975
Seit 1973 beriet eine "Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa" (KSZE) aller europäischen Staaten einschließlich der USA und Kanada in Helsinki. Die Konferenz brachte dem Ostblock die Anerkennung der Nachkriegsgrenzen durch den Westen und damit eine Art Bestandsgarantie des sowjetischen Imperiums, das wirtschaftlich schwach war. Im Gegenzug mussten die Ostblockstaaten Zugeständnisse bei den Menschenrechten machen. Damit schuf die KSZE eine wesentliche Grundlage für die Bürgerrechtsbewegungen der Achtzigerjahre in den osteuropäischen Ländern. Die Schlussakte von Helsinki markiert 1975 den Höhepunkt der Entspannungspolitik zwischen Ost und West vor dem Fall der Mauer.

 

 

Aus dem Kapitel Religion - Grundbegriffe
Asyl
Ein uralter religiöser Begriff. Immer schon herrschte die Auffassung, dass Verfolgten und Bedrängten, ja selbst Verbrechern zunächst einmal Schutz gewährt werden soll, wenn sie sich in Tempel oder Kirchen flüchten. Diese Einstellung beruht auf der prinzipiellen Unverletzlichkeit des Heiligtums. Im Gr. bedeutet sýlon "Raub", ásylos demzufolge das Gegenteil davon: unberaubt, sicher.

Aus dem Kapitel Staat & Recht - Staat
Kandidat
Im antiken Rom trugen die Bewerber um ein politisches Amt eine weiße (genau: "weiß schimmernde") Toga, die toga candida.

Aus dem Kapitel Staat & Recht - Königstitel
Kalif
(arab.) "Stellvertreter, Nachfolger", gemeint ist der Nachfolger des Propheten Mohammed, der ohne eigene Nachkommen starb. Aufgrund des Streites über die Legitimität des Kalifenamtes spalteten sich die Anhänger des Islam schon im 7. Jh. in Sunniten und Schiiten auf.

Aus dem Kapitel Manieren & Höflichkeit - Der gute Ton
Fauxpas
Dieser Begriff ist subtiler als man denkt. Er kommt nämlich nicht von franz. Ça il ne faut pas faire (= das soll man nicht um), sondern wört. von faux pas = falscher Schritt = Fehltritt.

Aus dem Kapitel Wörter aus dem Lateinischen & Griechischen - Originalton Latein im Deutschen
Arena
Basiert auf der Vorform harena und der noch älteren Form fasena = Sandplatz. Vermutlich wurden Schaukämpfe auf mit Sand bestreuten Plätzen schon vor dem Bau der Arenen ausgetragen und hatten bereits in sehr früher Zeit kultischen Charakter. Es handelt sich jedenfalls nicht um ein ie. Wort. Möglicherweise ist es etruskischer Herkunft.

Aus dem Kapitel Schimpfwörter
Einfaltspinsel
Der Wortbestandteil "-pinsel" ist hier nicht das Malergerät mit Tierborsten, sondern setzt sich zusammen aus "pinn", das ist ein Schuhnagel, und "sul", das ist die Schusterahle; beides Hauptwerkzeuge des Schusters. "Pinn-sul" wurde nun auf Schuster selbst übertragen; sie galten als einfache, einfältige Handwerker.

Aus dem Kapitel Wörter des Alltags - Kleine Wörter
genau
Der Wortteil "-nau" geht auf das altdt. nou(w), nl. nauw zurück, das "eng, knapp" bedeutet. Was irgendwo knapp und eng eingefügt wird, passt eben "genau" und man muss es dafür "sorgfältig" (weitere Bedeutung von "genau") bearbeiten.

 

 

Aus dem Kapitel Menschen & Alltag - Wörter des Alltags
Fiasko
Far fiasco (= "eine Flasche machen) war ein Ausdruck venezianischer Glasbläser: Befanden sich Bläschen in der Schmelzmasse, so wurde nur eine einfache Flasche daraus gemacht, die für den alltäglichen Gebrauch genügte. Sollte das Glas hingegen kristallklar sein, konnte man sich ein Fiasko nicht leisten.

Aus dem Kapitel Geld & Wirtschaft - Banken & Börse
Scheck
kommt von "Schach", denn dem Scheck wurde Schach, d.h. Einhalt geboten, um diese Zahlungsanweisung überprüfen zu können. Das englische Wort dafür ist to check, so wie man auch im englisch klingenden Neudeutsch eine Sache "checkt". Der englische Ausdruck ist wiederum in Analogie zum Schachspiel gebildet worden.

Aus dem Kapitel Mensch & Medizin - Wörterbuch der Gefühle
Schmerz
Die Wortwurzel von Schmerz (smer) bezeichnet ganz konkret die leidverursachenden Vorgänge: drücken, reiben, scheuern. Auch die Ergebnisse dessen, was körperlicher oder seelischer Schmerz bewirkt, kann mit Wörtern beschrieben werden, die aus der gleichen Wortwurzel stammen: "zermürbt" und "morsch".

Aus dem Kapitel Die ältesten Wörter - Wörter aus dem Keltischen
Karren
Eines der erfolgreichsten keltischen Wörter überhaupt. Daraus sind hervorgegangen: Lateinisch carrus, englisch car und chariot, französisch char und im Deutschen neben "Karren" das abfällige "Karre". Wie zahlreiche Grabfunde beweisen, war die Wagenbaukunst bei den Kelten sowohl in technischer wie in ästhetischer Hinsicht hoch entwickelt. Kunstvoll gebaute Wagen aus Bronze waren wertvolle Grabbeigaben und sicherlich Statussymbole. Hierin mag auch eine Erklärung für die häufige Übernahme des keltischen Wortes in andere Sprachen liegen.

Aus dem Kapitel Kultur & Medien - Literatur & Buchwesen
Märchen
Das Märchen ist das "Märlein", die "kleine Erzählung", das wortgeschichtlich auf das aus der Nibelungensage bekannte Wort maere zurückgeht. "Märe" war damals jede Nachricht, ein Bericht oder auch nur Gerücht, eine Erzählung oder ein Vortrag. Charakteristisch für diesen Begriff war, dass man etwas vortrug oder verkündete. In dem sächsischen Dialektwort "sich ausmären" ist das Wort in diesem Sinne noch lebendig. Märchen sind, wie die Mythen, älteste und trotzdem sehr lebendige Literatur, die Jahrtausende lang nur mündlich tradiert wurde. Erst vor rund zweihundert Jahren begann deren Aufzeichnung (Brüder Grimm). Märchenstoffe sind auch heute noch verbreiteter und vertrauter als jede andere Art von "Literatur".

 

 

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