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Boehringer Ingelheim
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Sternstunden der Kartografie - Die abenteuerliche Geschichte von der Entdeckung und Vermessung der Welt

 

INHALTSVERZEICHNIS

Die ältesten Sternkarten und Weltbilder
Der babylonische Tierkreis - Der babylonische Kalender -Die Himmelsscheibe von Nebra - Sonnenwagen und Goldhüte - Weltenberg und Weltenbaum - Der Nabel der Welt - Das Weltbild Homers      

Die ersten „naturwissenschaftlichen“ Weltbilder
Die erste berechnete Voraussage einer Sonnenfinsternis - Abschied von der Scheibenwelt - Die „Weltkarte“ des Hekateios - Die Erde ist eine Kugel - Die Vier-Elemente-Lehre - Milchstraße und Atomlehre

Welt und Weltall in der Zeit Alexanders des Großen
Die erste Entdeckungsreise - Aristoteles - Peri Ouranou-Über die Himmel - Der Eroberungszug Alexanders des Großen - Bematisten und Ephemeriden - Die Bibliothek von Alexandria - Euklid und die mathematische Geometrie - Die Berechnung des Erdumfangs - Aristarchs heliozentrisches Weltbild- Hipparch, der bedeutendste Astronom der Antike - Terra australis kommt auf die Weltkarte - Die Geografie von Strabon - Ferro-Meridian - Ptolemäus und das geozentrische Weltbild

Alle Wege führen nach Rom
Die Peutingersche Tafel - Römerstraßen und Meilensteine - Cardo und Decumanus

Indien und China
Die indisch-arabischen Zahlen - Aryabhata: Die Erde und die Null -Brahmagupta: Der Vater der Null - Der Sohn des Himmels - Der chinesische Ptolemäus I - Der chinesische Ptolemäus II            

Geografie und Astronomie im Orient
Wissenstransfer in den Osten - Das Haus der Weisheit in Bagdad - „Algorithmus“ und Algebra - Arabische Rechenkunst - Al-Biruni und Avicenna - Kairo und Córdoba

Mappae mundi – Weltkarten des Mittelalters
T und O - Die Enzyklopädie des Isidor von Sevilla - Vor Christi Geburt-nach Christi Geburt - Weltchroniken - Die Higden-Chronik  - Al-Idrisi-Weltkarte-Tabula Rogeriana - Die Zahlen des Fibonacci - Die Ebstorfer Weltkarte - Die Hereford-Karte - Katalanischer Atlas      

Zeit des Umbruchs – Die Weltbilder des Spätmittelalters
Der Alexanderroman - Das Weltbild der Göttlichen Komödie - Toledaner Tafeln und Alfonsinische Tafeln - Portolankarten - Der Kompass - Marco Polo - Astronomische Uhren

Weltbilder unmittelbar vor Kolumbus
Die Fra-Mauro-Karte - Der Behaim-Globus - Die Begründung der Trigonometrie - Erhard Etzlaubs Romweg-Karte - Die Schedelsche Weltchronik - Dürers Melencolia I

Die Seewege nach Indien
Die Suche nach dem „vierdten Erdteil“ - Da Ming Hun Yi Tu - Die Schatzschiffe des Cheng Ho - Der Seeweg der „Guten Hoffnung“  - Kolumbus: der erste Weltenentdecker - Der Vertrag von Tordesillas

Wie Amerika auf die Landkarte kam
Erste Karten von der Neuen Welt  - Die Cantino-Karte - Amerigo Vespucci -Der Namensgeber für Amerika - Waldseemüllerkarte: die Taufurkunde Amerikas - Vasco da Gama und der Seeweg nach Indien

Die Umwälzung des Weltbildes
Nikolaus Kopernikus - Das heliozentrische Modell des Sonnensystems

Konquistadoren und Weltumsegler
Die Suche nach Eldorado  - Mexiko - Die ersten Weltumsegelungen  - Die Entdeckung und Eroberung der Anden - Die Entdeckung des Mississippi - Relaciones Geográficas - Matteo Ricci in China

Große Entdeckernamen auf der Landkarte I
Die Suche nach der Nordwestpassage I - John Cabot entdeckt das nördliche Amerika - Verrazano Bridge - Nach Kanada - Davis-Straße - Barentssee - Hudson Bay - Baffin Bay            

Die Karten- und Weltbilder vor dem Zeitalter der Vermessungen
Das goldene Zeitalter der Kartografie - Sebastian Münsters Cosmographia - Die „Goldschätze“ von Timbuktu - Die Bairischen Landtafeln - Der erste Atlas - Die Mercator-Projektion - Atlas Blaeu - Die Stadtansichten von Matthäus Merian - Orbis pictus - Atlanten für den Hausgebrauch             

Die neuen Welten am Himmel
Galileo Galilei - Tycho Brahe - Johannes Kepler - Orion-und Andromeda-Nebel - „Und sie bewegt sich doch“

Große Entdeckernamen auf der Landkarte II
Der Pazifik - Tasmanien - Beringstraße und die Entdeckung Alaskas - Robinson-Insel           

Die vermessene Welt
Triangulation - Die Vermessung Frankreichs - Landvermessungen in Europa - Die erste Vermessung des Weltraums         

Der Längengrad
Der Meridianbogen - Die Erde: Ei oder Apfel? - Die Lösung des Längengradproblems - Dixieland

Neue Sterne am Himmel
Saturnringe und Lichtwellen - Der Halleysche Komet - Lichtgeschwindigkeit - Der Messier-Katalog - Ein neuer Planet im Sonnensystem - Jenseits der Milchstraße

Große Entdeckernamen auf der Landkarte III
Die Insel Bougainville und die Wunderblumen - Venustransit-James Cooks erste Reise - Terra australis–James Cooks zweite Reise - Georg Forsters Reise um die Welt - Hawaii-Cooks letzte Entdeckung und Verhängnis - George Vancouver an der amerikanischen Westküste - Australien                       

Die neue Naturwissenschaft
Makrokosmos-Mikrokosmos - Wissenschaftliche Akademien - Phlogiston -Neptunismus und Vulkanismus - Montgolfier: Die Welt von oben - Die neue Chemie - Elektrische Zuckungen

Die weißen Flecken
Durch die Wüste I: Mungo Park - Durch die Wüste II: Heinrich Barth - Alexander von Humboldt - Die Expedition von Lewis und Clark - Hudson’s Bay Company - Winnetou - Der „Entdecker“ der Rocky Mountains - Vorstöße in die Antarktis - Der Mount Everest        

In die Tiefe     
Eiszeit - Der Kreislauf der Gesteine - Die Strata-Karte und die Leitfossilien - Physikalische, geologische, meteorologische, ethnologische, klimatische Atlanten - Die Begradigung des Rheins - Die Entdeckung „Trojas“ - Zwanzigtausend Meilen unter dem Meer       

Pioniere des 19. Jahrhunderts
HMS Beagle - Die Katastrophe der Franklin-Expedition - Homestead Act - Wettlauf zum Matterhorn - Die Quellen des Nils - Dr. Livingstone, I presume - Durch die Wüste III: Gustav Nachtigal - Port Said am Sueskanal                      

Karten und Atlanten des 19. Jahrhunderts
Dufour-Karte und Stieler-Atlas - New Railroad and County Map of the United States - Der Nullmeridian - Zeitzonen für die ganze Welt

Der Wettlauf zu den Polen
Fridtjof Nansens Fram-Expedition zum Nordpol - Der Wettlauf zum Südpol               

Sternenkunde im 19. Jahrhundert
Der L’Aigle-Meteorit - Neptun - Fraunhofer-Fernrohre - Bonner Durchmusterung - Die „Himmelspolizey“: Systematische Suche nach den Asteroiden

Die physikalische Weltbild-Revolution
E=mc²-Atom und Universum - Die neue Physik des 20. Jahrhunderts

Die dynamische Welt
Alles fließt - Kontinentalverschiebung - Die Vermessung des Meeresbodens

Karten des 20. Jahrhunderts
Der Londoner U-Bahn-Plan - Straßenkarten, Straßenatlanten - Arno Peters’ Bild der Welt - „Nach zweihundert Metern links abbiegen“

Die Expansion des Weltraums
Das Hertzsprung-Russell-Diagramm  - Edwin Hubble: Das Weltall expandiert - Das Echo des Urknalls - Schwarzes Loch - Signale von Außerirdischen?    

Die Eroberung des Weltraums
Die Rakete zu den Planetenräumen - Der Wettlauf zum Mond - Der Blaue Planet und die Mondlandungen - Mission Mars

In die Tiefe des Weltalls
Jenseits des Sonnensystems - Hubble Ultra Deep Field - Gliese 581c - Die Vermessung der Milchstraße in 3D     

Ausblick
Terra incognita - Selbstvermessung-Quantified Self - Das Wissen der Welt kartografieren

 

Textauszüge aus Sternstunden der Kartografie

Die Berechnung des Erdumfangs     
Eratosthenes (um 275-195 v. Chr.) leitete die Bibliothek von Alexandria fünfzig Jahre lang und war der einzige Naturwissenschaftler auf diesem Posten. Er stand mit Archimedes, der in der griechischen Stadt Syrakus auf Sizilien lebte, in Briefkontakt.

Mit Eratosthenes beginnt eine wirkliche Wissenschaft der Geografie insofern, als er aufgrund genauer Messungen der Schattenlängen auf Sonnenuhren in Alexandria und im weit entfernten Syene (heute: Assuan) zur Zeit der Sommersonnenwende als Erster den Erdumfang berechnete. Soweit diese Rechnung heute nachvollziehbar ist, bestimmte er den Erdumfang mit fast 42.000 Kilometern recht genau. (Der tatsächliche Wert beträgt 40.075 Kilometer am Äquator.) Diese Erdumfangsbestimmung zählt man zu den größten wissenschaftlichen Leistungen der Antike. Das war - um 240 v. Chr. - schon eine Art Beweis für die Kugelgestalt der Erde. Bereits Aristoteles hatte sich vergeblich damit beschäftigt.

Eratosthenes kam wohl auch erstmals auf den Gedanken, die Breiten- und Längengrade als mathematische Methode zur Bestimmung eines konkreten Ortes zu nutzen.

Die Bairischen Landtafeln          
Bisher hatten Karten keinen Maßstab. Ansatzweise maßstabsgerechte Karten kamen nun verstärkt im 16. Jahrhundert auf. Philipp Apians Atlas von Bayern (1568), auch bekannt als „Bairische Landtafeln“, spiegelt den damals fortschrittlichsten Stand der Kartografie.

Die Landtafeln, 24 Holzschnittdrucke, beruhen auf einer fünf mal fünf Meter großen Karte von Bayern, die Apian im Auftrag des bayerischen Herzogs Albrechts V. erstellte, indem er während sieben Jahren im Sommer das Land mit Wegmesser und Kompass bereiste und auf diese Weise erstmals ein größeres Land systematisch vermaß - wenn auch noch nicht so mathematisch exakt wie mittels Triangulation.

Die Karte und die darauf basierenden Landtafeln sind genordet, was damals, vor allem in Süddeutschland, noch keineswegs üblich war. Für Städte und Dörfer gibt es nur noch wiederkehrende Symbolbilder statt individueller Stadtansichten, auch ein Merkmal der Rationalisierung des Kartenbildes. (Für Dörfer genügt eine Kirche, für eine Stadt ein Kirchturm mit einer kleinen Häusergruppe.) Apians Bayern-Karte ist ein frühes Beispiel dafür, wie die subjektiven oder religiös-symbolischen (Welt)Landschaften gegenüber der maßstabsgetreuen Wiedergabe der physischen Welt in den Hintergrund treten. Vor allem die Verläufe der Gewässer sind sehr genau verzeichnet. Für den Druck der Landtafeln wurde der Maßstab deutlich verkleinert. Deren Genauigkeit war bis ins 19. Jahrhundert unübertroffen.

Für die Vermessung bediente sich Apian neben Kompass und Quadrant auch des Jakobsstabs zur Winkelmessung und damit zur Entfernungsbestimmung. Der von sächsischen Eltern in Ingolstadt geborene Philipp Bienewitz/Bennewitz (lateinisch: Apian) war schon mit achtzehn Jahren Student in Frankreich und mit einundzwanzig Jahren Professor in Ingolstadt, wo er neben dem Lehrstuhl auch die Kartendruckerei seines Vaters übernahm, der seinerseits bereits ein so geschätzter Gelehrter, Astronom und Kartograf war, dass er von Kaiser Karl V. in den Reichsritterstand erhoben wurde. So ehrte man damals bedeutende Kartografen.

Der L’Aigle-Meteorit
Am frühen Nachmittag des 26. April 1803 ging über der kleinen Ortschaft L’Aigle in der Normandie ein Meteoritenschauer nieder. Offensichtlich war ein größerer Meteorit zerplatzt, woraufhin an die dreitausend Meteorbrocken auf einer elliptischen Fläche von sechshundert Hektar um L’Aigle niederfielen. Napoleons Innenminister beauftragte den jungen, aber bereits renommierten Physiker Jean-Baptiste Biot mit einer Untersuchung der Meteoritenfunde vor Ort.

Biot wies in einem Gutachten zum L’Aigle-Meteoriten erstmals die außerirdische Herkunft von Meteoriten nach. Dies war von der Wissenschaft bis dahin ausdrücklich abgelehnt worden. Auch diese „wissenschaftliche“ Meinung ging noch auf Aristoteles zurück, der postuliert hatte, außer Planeten (einschließlich Sonne und Mond) und Fixsternen könne es „im Kosmos“ keine anderen Körper geben. Meteore und Kometen hatte Aristoteles als feurige Erscheinungen der Erdatmosphäre gedeutet. Zuletzt hatte immerhin noch Newton diese aristotelische Deutung bestätigt. Natürlich konnten sie noch nicht wissen, dass täglich ein Strom kleiner Partikel mit einem Gesamtgewicht von mehreren tausend Tonnen auf die Erde einprasselt, von denen der größte Teil in der Atmosphäre verdampft, ohne dass man es sieht.

Dem Biot-Gutachten war eine 1794 erschienene Abhandlung des deutschen Physikers und Astronomen Ernst Chladni vorausgegangen. Darin stellte er erstmals in der Neuzeit die (richtige) These auf, dass Meteore aus dem Weltraum kommen, und er behauptete sogar (im Prinzip ebenfalls richtig), dass sie aus der Entstehungszeit des Sonnensystems stammen und quasi Planetentrümmer oder Planetenbausteine sind. Das wurde von allen Geistesgrößen seiner Zeit, von Goethe bis Humboldt, auch von Lichtenberg, der Physiker war und selbst einen Meteor beobachtet hatte, vehement abgelehnt. Biots Recherchen in L’Aigle bestätigten dann jedoch Chladnis Theorie. Nach einer sorgfältigen Untersuchung der Gesteinsbrocken und ausgiebigen Zeugenbefragungen schloss Biot: Eine so plötzliche, heftige und gleichmäßige Verteilung von tausenden von „Steinen“ über eine annähernd zehn Kilometer lange Fläche konnte niemals eine irdische Ursache haben. Biots Erkenntnisse über den L’Aigle-Meteoriten gelten als Meilenstein der Meteoritenkunde und als Begründung einer eigenständigen Meteoritenforschung.

 

 

 

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