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Wolfgang Seidel kann nicht singen (leider!), nicht auf Pferden reiten und nicht besonders gut tanzen. Auch Turmspringen mit Delphinsalto gehockt hätte er früher schon mal üben sollen. Aber Kraulschwimmen geht. Er isst bevorzugt böhmische Küche (weil das die Heimat seiner Familie war). Muss aber aufpassen, wenn zu viel Knödel dabei sind. Geboren im Schwäbischen und aufgewachsen bei den Hessen. Für ein Kind war solch ein Wechsel (berufsbedingter Umzug der Eltern) ein Kulturschock: Die Schwaben begrüßen sich mit "Grüßgottle". Die Hessen mit "Ei Gude, wie?" Muttersprache war aber Hochdeutsch, darauf wurde streng geachtet.

Nachhaltigster Kindheitseindruck: die Nordseeküste und die Dünen in Holland. Dorthin fuhr man damals mit Kindern in den Sommerurlaub. Später ging es nach Italien an die Adria. Signifikanter Unterschied: der Pinienduft. Was Kultur und Lebensart anbelangt, gilt Italien nach wie vor als Nummer eins. Abitur 1972 im kaiserzeitlich-wilhelminisch geprägten Wiesbaden. Die Studentenunruhen im nahen Frankfurt bekam man als Wiesbadener Gymnasiast nur medial vermittelt. In Wiesbaden war ja nichts kaputt. Wiesbadener Schüler demonstrierten nicht. Sondern sie diskutierten während der Unterrichtsstunden mit den Lehrern über Politik (das blieb in der Zeit nicht aus), lasen Weltliteratur und gingen in Jazz-Kneipen, wenn es die Eltern erlaubten.

Das mit der Weltliteratur war ein gewagtes Unterfangen. Man kann es als junger Mensch ja gar nicht richtig verstehen. Aber es gab nichts Wichtigeres als diese Buchwelten kennenzulernen. Danach kam die richtige Welt.

Die erste Weltstadt war Paris - nach einigen Jahren Französischunterricht und gleich nach Ablegen der Führerscheinprüfung. (Damals gab es noch keine Autobahn in Nordfrankreich und solche Fahrten über die endlose Route Nationale waren Abenteuer. Wir fuhren nämlich im Winter und bei Nacht und Nebel.)

Erste geografische Horizonterweiterungen als Student in Südfrankreich und Sizilien. Jura-Studium in Mainz, Genf, München und Freiburg. Schwerpunkte Rechtsphilosophie und Rechtsgeschichte. Denn alles Historische ist interessant - wie ein Reise in ein fernes Land. Ansonsten ist Jura hilfreich für klares Denken und bereitet auf jeden Beruf vor, außer Arzt, Physiker, Chemiker, Landwirt und Maschinenschlosser.

Nach Ende des Studiums Berufsbeginn als Verlagsredakteur und Lektor für Belletristik in Stuttgart. Belletristik ist natürlich nicht Weltliteratur, aber man macht was damit. Mehrmonatiger Arbeitsaufenthalt in Amerika Anfang der 1980er Jahre. Die USA standen damals in ihrem Zenith und die Amerikaner sind ausgesprochen gastfreundlich und großzügig. Da konnte man wirklich was lernen. In den 1990er Jahren als Programmlektor für Belletristik bei einem bekannten Frankfurter Verlag. So kamen zwanzig gute Arbeitsjahre in der Verlagsbranche zusammen, die um 2000 in die Krise geriet. Seit 2002 als Autor und Übersetzer in München.

 

Nach langer Vorarbeit erschien 2006 Woher kommt das schwarze Schaf?, ein Buch mit einem neuartigen Konzept der Wissensvermittlung über die Herkunft von Wörtern. Innerhalb eines Jahres folgten fünf Auflagen und ein Platz auf der Bestsellerliste. Die Leser hat es interessiert.

Wörter fallen nicht vom Himmel. Sie haben, wie die ganze Kultur und Geschichte, ihren Ursprung sowohl in der Wirklichkeit wie im Denken der Menschen. An ihren Wurzeln kann man die Zusammenhänge deutlich erkennen. Das ließ sich auch in den weiteren Bänden wie Die alte Schachtel ist nicht aus Pappe (2007), Wo die Würfel fallen (2008), Es geht um die Wurst (2009) nach dem gleichen Konzept erneut anschaulich und abwechslungsreich darstellen. Das Thema ist und bleibt interessant. Wenn man es unverkrampft behandelt, lässt sich auch viel darüber schmunzeln.

Auch die komplexe Materie der Weltgeschichte wird anhand historischer Begriffe, die jeder kennt, anschaulich begreifbar. Dazu erschien im Eichborn Verlag 2010 das etwas umfangreichere, erzählerische Geschichtsbuch Wann tranken die Türken ihren Kaffee vor Wien, das alle Weltkulturen berücksichtigt und die Gleichzeitigkeit des historischen Geschehens betont: Was geschah in China, Indien, Amerika während der römischen Kaiserzeit oder der europäischen Renaissance etc.? Die Stichworte reichen von "Eiszeit" bis "Yes we can". (Bei Abschluss dieses Buches war gerade erstmals ein amerikanischer Präsident mit teilweise afrikanischen Wurzeln gewählt worden. Ein "global" gesehen durchaus bedeutsames Ereignis.)

Wegen des regen Interesses und weil es zur deutschen Sprache noch so viel zu sagen und zu entdecken gibt, zurück zum Thema "Herkunft von Wörtern": Wie kam der Sturm ins Wasserglas - Zitate, die zu Redewendungen wurden ist das neueste Buch in der Reihe über die Sprache (2011). Es geht um die vielen bildhaften Redewendungen in der Alltagssprache und ihre Ursprünge in Märchen, Fabeln, Liedern, Film, Werbung und vor allem natürlich in der Literatur: von den großen Klassikern bis zu unbekannten, aber viel zitierten Autoren. Wenn man die stets ganz interessanten Zusammenhänge kennt, werden diese sprechenden, treffenden Formeln von neuem ganz lebendig.

Weltgeschichte aus einer ganzen neuen, überraschenden Perspektive bietet das 2012 erschienene Buch Die Weltgeschichte der Pflanzen. Nur für einen griffigen Werbeslogan würde man formulieren: „Pflanzen haben Geschichte gemacht“, aber das stimmt nicht so ganz, denn es sind natürlich immer die Menschen, die Pflanzen in vielfältiger Weise zu Nutzpflanzen gemacht haben - teilweise seit uralter Zeit, teilweise ganz aktuell: Genzüchtung und die Nutzung von Pflanzen als erneuerbare Rohstoffe sind Beispiele aus der jüngsten Zeit. Die Pflanzennutzung hat  in der Geschichte der Menschheit auf vielfältige Weise eine Rolle gespielt und oft genug eine ganz bedeutende Rolle. Dieses Buch verknüpft erstmals die Herkunft von Pflanzen und die vielfältigen Arten ihrer Nutzung in umfassender Weise mit der globalen Kulturgeschichte. Es ist erstaunlich zu sehen, was wir mit Pflanzen machen und was wir ihnen alles verdanken: Nahrung, Kleidung, Heilmittel und eine Fülle von Alltagsgegenständen, vom Brotkorb über das Papier bis zum Autoreifen.

Eine spannende und wahrhaft abenteuerliche Weltgeschichte bietet Sternstunden (ab September 2014 im Buchhandel), meine ganz neue Geschichte der Landkarten, Sternkarten und damit verbunden der Vermessung der Welt. Auch damit verbunden ist eine Geschichte der Weltbilder, sozusagen der geistigen Voraussetzungen, auf denen Karten beruhen. Ein so alltäglicher Gegenstand wie eine Landkarte oder eine Straßenkarte hat eine lange historische Tradition, die wenig bekannt, aber sehr interessant ist. Vereinfacht gesagt, machte man sich in vormodernen Zeiten in puncto Geografie und Kosmos ein Weltbild, während wir heute ein Bild der Welt haben. Anhand der Karten sieht man sehr schön wie unser Denken immer rationaler wurde. Weil sie so eng mit der Entdeckungsgeschichte verknüpft ist, steckt in der Kulturgeschichte der Landkarte eine Fülle von spannenden, abenteuerlichen Lebensgeschichten. Vom Alexanderzug nach Indien über die Entdeckungen und so blutigen wie entbehrungsreichen Eroberungen seit Kolumbus bis zur modernen Raumfahrt. Vermessung ist nichts anderes als möglichst exakte Datenerhebung. Die Spur zieht sich von den astronomischen Tafeln der Babylonier bis zu den gigantischen Datenerfassungen und - übertragungen im Internet von Google & Co.

 

 

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