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Wie kam es dazu? Was bedeutet das eigentlich? In welchem Zusammenhang steht das?
Ich bin neugierig und solche historischen Fragen haben mich immer beschäftigt. Das gilt für Geschichte und Politik, aber auch für Technik und Kultur. Wie und warum ist etwas entstanden? Was hat sich ein Mensch dabei gedacht, als er dieses Bild malte, jene Kathedrale errichtete, eine Pyramide oder einen Palast baute oder seinen Roman schrieb.
Wie konkret und gleichzeitig komplex eine Entstehungsgeschichte sein kann, habe ich zuerst in der Literatur und in der Malerei verstanden. Man kann immer wieder nur staunen, wie viele Gedanken und Gefühle Menschen bewegen, die ein Bild malen oder einen Tempel bauten und bewundern, wenn sie das meisterhaft zum Ausdruck bringen.
Geht man der Sache auf den Grund, entdeckt man immer wieder, wie konkret so ein Werk in die Lebenswirklichkeit eingebunden ist, in der es entstand.
Es mag staunenswert komplex sein, aber es ist nicht vom Himmel gefallen.
In meinem Jurastudium mit Schwerpunkten Rechtsgeschichte und Rechtsphilosophie habe ich dann gelernt, das natürlich auch Rechtsnormen und Rechtsgrundsätze nicht vom Himmel gefallen sind, sondern eine große Tradition und Zweckmäßigkeit haben. Ändern sich die "Verhältnisse" werden selbst die ehernsten Rechtsnormen "angepasst" - wenn auch nicht mit der Hektik, mit der der heutige Gesetzgeber ans Werk geht.
All dies steht im Strom der Geschichte und der Kulturgeschichte, auf die man immer wieder zurückkommt, wenn man nach dem "Hintergrund" fragt.
Geschichte finde ich immer dann interessant, wenn sie nicht l‘art pour l‘art ist, sondern Zugang zu einer lebendigen Realität, zu einer anderen Lebenswelt verschafft. Ich finde, dann ist es eine faszinierende Erfahrung - wie eine Reise in ein fernes Land. Natürlich kann man gerade auf Reisen sehr anschauliches Geschichtsstudium betreiben, übrigens auch in Museen und Ausstellungen. Dafür sind sie ja eigentlich gedacht. Aber selbstverständlich auch in Bibliotheken. Man stößt in deren Büchern auf unzählige interessante Details zu den abgelegensten Themen, was natürlich super ist, aber ich fand, es fehlt der große Überblick. Selbst viele wirklich Geschichtsinteressierte mit einer fundierten Ausbildung könnten in unserer globalisierten Welt nicht den Namen eines einzigen chinesischen Kaisers nennen. Ehrlich gesagt, die meisten von uns kennen auch nicht sehr viele Namen von deutschen Königen. Es wäre vielleicht auch zu pedantisch und zu trocken.
Aber es gibt außerdem viele geläufige Geschichtsbegriffe, die man jedoch oft genug nur so ungefähr kennt. Diese habe ich hergenommen, um den Lesern einen möglichst anschaulichen Überblick über das historische Weltgeschehen zu vermitteln. Denn was taten die Türken eigentlich vor Wien außer Kaffee trinken?
Nach dem Studium arbeitete ich von 1980 bis 2000 zwanzig Jahre lang als Lektor in drei verschiedenen Verlagen in Stuttgart und Frankfurt.
Danach befasste ich mich intensiv mit Sprachgeschichte und der Herkunft von Wörtern, in der Wissenschaft Etymologie genannt. Wenn man der Herkunft von Wörtern auf den Grund geht, findet man heraus, dass auch sie keineswegs als abstraktes Sprachgebilde vom Himmel gefallen sind, sondern oftmals eine durchaus nachvollziehbare Geschichte, eine hintergründige Bedeutung haben, die sehr viel mit der Realität zu tun hat. Und das lässt sich ganz anschaulich, interessant und manchmal auch amüsant darstellen.
So entstanden seit 2006 meine Bücher Woher kommt das schwarze Schaf? (2006), Die alte Schachtel ist nicht aus Pappe (2007), Wo die Würfel fallen - Wörter die Geschichte machten (2008) und Es geht um die Wurst (2009). Diese Bücher sind nicht in erster Linie alphabetisch, sondern thematisch aufgebaut. Dadurch wird das eigentlich spröde und sehr akademische Thema Wortgeschichte erstaunlich lebendig und interessant. Die Themen reichen von "Fremdwörter" und "Schimpfwörter" bis zu "Mensch & Medizin", "Natur & Klima", "Essen & Trinken", "Stadt, Land & Fluss" "Seemanns- & Bergmannssprache" und viele, viele andere. Es handelt sich natürlich immer um Alltagssprache, keine Fachbegriffe. Diese erfolgreiche Wortgeschichte in Wortgeschichten in mehreren Bänden hat erfreulich viele Leser gefunden.
Das Interesse und der vielfältige positive Zuspruch der Leser haben mich schließlich dazu ermutigt, zur eigentlichen Geschichte zurückzukehren und die viel umfangreichere Globalgeschichte zu schreiben, mit meiner Herangehensweise der "Gleichzeitigkeit" einen frischen Blick darauf zu werfen und zu zeigen, wie spannend und interessant die Weltgeschichte verlaufen ist - in der wir alle stehen.
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